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Effektive Entscheidungen im Team: Konsens, Kompromiss oder Konsent?

  • Autorenbild: Florian Schäffer
    Florian Schäffer
  • 1. Sept. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Nov. 2025

Ein Klassiker unter den Dysfunktionen eines Teams sind nicht getroffene Entscheidungen. Viele kennen die Situation: Eine Entscheidung wäre dringend nötig, doch stattdessen verliert sich das Team in endlosen Diskussionen, in Vertagungen oder in der Hoffnung, dass sich das Thema irgendwie von selbst löst.


Der naheliegende Ausweg ist dann oft die Einzelentscheidung durch das HIPPO (highest paid person’s opinion), also meist die Führungskraft. In anderen Beiträgen haben wir bereits gezeigt, warum das selten der beste Weg ist. Denn Entscheidungen von oben nutzen weder das Wissen noch die Kreativität des Teams und werden deshalb auch nicht immer mitgetragen.


Manchmal schafft es das Team immerhin, sich zu einem Kompromiss durchzuringen. Nach langen Diskussionen wird eine Lösung gewählt, die alle ein wenig zufriedengestellt, aber niemanden begeistert. Auch das ist gefährlich, denn Kompromisse führen häufig zu halbherzigen Lösungen, die das Weiterkommen eher bremsen als beschleunigen.


Organisationen leben jedoch davon, dass Menschen täglich Entscheidungen treffen. Umso wichtiger ist es zu verstehen, welche Arten von Entscheidungsformen es gibt und welche tatsächlich wirksam sind.



der Kompromiss: alle verlieren ein Stück

Ein Kompromiss bedeutet, dass alle Beteiligten ein Stück weit nachgeben und man sich irgendwo in der Mitte trifft. In der Politik heißt das oft: Eine Partei stimmt einem Vorhaben zu, wenn sie dafür an anderer Stelle ein Zugeständnis erhält. In Unternehmen läuft es oft nicht anders.


Das Ergebnis ist selten befriedigend. Niemand bekommt die Lösung, von der er wirklich überzeugt ist. Alle geben etwas ab, niemand gewinnt. Kompromisse können deshalb Organisationen bremsen. Wir sehen es in der Politik genauso wie in Teams. Unsere Überzeugung: Kompromisse sollten nur in sehr seltenen Fällen das Ziel sein.


der Konsens: zu schön, um wahr zu sein

Ist also der Konsens die bessere Alternative? Auf den ersten Blick klingt es ideal: Alle Beteiligten stimmen einer Lösung zu. Doch gerade bei umstrittenen Themen ist es illusorisch zu glauben, man könne alle Meinungen in endlicher Zeit auf einen Nenner bringen.


Was in der Praxis oft passiert: Nach langen, anstrengenden Diskussionen geben einzelne Beteiligte irgendwann nach, nur um die Sache zu beenden. Von echter Zustimmung kann dann keine Rede sein. Der scheinbare Konsens täuscht, die Lösung wird nicht getragen, sondern erduldet.


der Konsent: schnell, sicher genug, lernorientiert

Es gibt jedoch einen dritten Weg: den Konsent.


Ein Konsent ist erreicht, wenn niemand im Team einen schwerwiegenden Einwand mehr hat. Schwerwiegend heißt: Einwände müssen stichhaltig sein und sich auf die Sicherheit oder Zielerreichung der Organisation beziehen. Persönliche Vorlieben oder Bequemlichkeit reichen nicht aus.


Damit entsteht eine Lösung, die „safe enough to try“ ist. Sie muss nicht perfekt sein, sondern gut genug, um ausprobiert werden zu können. Konsent bedeutet also: Wir setzen eine Entscheidung um, sammeln Erfahrungen und lernen daraus. Wenn sich die Umstände ändern oder neue Erkenntnisse dazukommen, darf und soll die Entscheidung angepasst werden.


Der Konsent ist damit doppelt überlegen: Er beschleunigt die Entscheidungsfindung enorm und er nutzt die kollektive Intelligenz des Teams, ohne sich in theoretischen Diskussionen zu verlieren.


Voraussetzungen für erfolgreichen Konsent

Damit Konsent im Team funktioniert, braucht es bestimmte Rahmenbedingungen:


  • Geeignete Räume für Vorschläge: Entscheidungen entstehen dort, wo Spannungen sichtbar gemacht und Lösungsvorschläge eingebracht werden können. Unsere regelmäßigen Meeting-Formate helfen, dafür einen klaren Ort zu schaffen.


  • Einen verbindlichen Prozess: Vorschlag, Klärungsfragen, Reaktionen, Integration von Einwänden und schließlich die Sicherheitsrunde. Dieser Ablauf muss allen klar sein und konsequent eingehalten werden.


  • Verantwortung im Team: Ist ein Vorschlag verabschiedet, tragen alle Teammitglieder Verantwortung, ihn mitzutragen und jederzeit zu hinterfragen. Neue Einwände müssen offen eingebracht werden.


  • Starke Moderation: Gerade am Anfang ist eine Moderationsrolle zentral. Sie sorgt dafür, dass der Prozess eingehalten wird und Einwände nicht abgetan, sondern ernsthaft geprüft werden. Rollenbasiertes Arbeiten unterstützt diesen Ansatz zusätzlich.


Wenn ihr Mechanismen für Konsent-Entscheidungen in eurem Team umsetzen wollt, dann helfen wir euch gerne bei den ersten Schritten: für Teams


Tipps für die Einführung

Wer mit Konsent starten möchte, sollte klein anfangen und den Prozess Schritt für Schritt einüben:


Art der Entscheidung klären: Operative Alltagsentscheidungen lassen sich gut mit Konsent bearbeiten. Für strategische Weichenstellungen braucht es mehr Vorbereitung und unter Umständen auch einen anderen Prozess. Beginnt mit den kleinen Entscheidungen und arbeitet euch an die komplexen Probleme heran.


Moderation festlegen: Eine Person im Team sollte den Ablauf steuern und Einwände prüfen.


Entscheidungsrunden üben: Vorschlag – Klärungsfragen – Reaktionen – Einwände – Sicherheitsrunde. Dieser Rhythmus wird schnell zur Routine.

Dokumentieren und nachhalten: Entscheidungen müssen transparent festgehalten und regelmäßig überprüft werden.


Foto von Firas Wardhana auf Unsplash
Foto von Firas Wardhana auf Unsplash


Typische Stolperfallen

Ein Konsent ist kein Konsens. Es ist wichtig zu verstehen, dass eine Entscheidung nicht alle glücklich machen wird. Sie wird aber definitiv dazu führen, dass wir uns als Team weiterentwickeln können. Systematisches Lernen steht vor absoluter Sicherheit.


Der erfolgreichste Konsent entsteht, wenn Reaktionen und natürlich Sicherheitsbedenken sorgfältig in die Lösung integriert werden können. Das Ziel muss immer sein, das Team zu überzeugen statt es zu überreden.


Wenn es keinen Raum für die regelmäßige Iteration der Zusammenarbeit und damit der Überprüfung der Entscheidungen gibt, dann ist das Konsent-Verfahren höchst problematisch. Wir wollen eine Entscheidung herbeiführen, die für den jetzigen Zeitpunkt und den jetzigen Wissensstand im Team sicher und richtig ist. Damit stoßen wir ein Experiment an, das in regelmäßigen Abständen überprüft und vor allem korrigiert werden muss.


Fazit

Nicht getroffene Entscheidungen sind Gift für Teams. Der Kompromiss verwässert Lösungen, der Konsens ist in der Praxis kaum erreichbar. Der Konsent dagegen bietet einen pragmatischen Weg: schnell, sicher genug, lernorientiert.


Er macht Teams handlungsfähig, bindet alle ein und schafft die Grundlage für kontinuierliches Lernen und Innovation. Entscheiden heißt nicht, auf Perfektion zu warten, sondern gemeinsam den nächsten sicheren Schritt zu gehen.


Probiert Konsent in eurem Team aus. Startet klein, sammelt Erfahrungen und erlebt, wie Entscheidungen leichter, schneller und tragfähiger werden.


Ihr wollt wissen, wie ihr im Team effektiv zu guten Entscheidungen kommt? Dann nehmt gern mit uns Kontakt auf!

 
 
 

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